Als Frau sollte man kein Foto für mehr Aufmerksamkeit posten

Wie eine Frage an Headhunter plötzlich in einer Genderdebatte endete


Beim Scrollen durch LinkedIn stieß ich auf einen spannenden Post. Es ging um eine offene Frage an Headhunter, die einem anfangs nicht sagen wollen, für welches Unternehmen sie recruiten. Dies ist teilweise ausgesprochen lästig, denn es raubt allen Beteiligten unnötig Zeit, wenn man im zweiten Schritt merkt, dass das Unternehmen nicht zum Kandidaten passt. Natürlich liegt es auf der Hand, weswegen nicht immer von vorne herein das Unternehmen genannt wird. Um den Artikel an sich soll es an dieser Stelle nicht gehen - vielmehr um die Debatte, die unter dem Post aufkam, welche schlussendlich gar nichts mehr mit dem eigentlichen Thema zu tun hatte.


Die Verfasserin hängte an den Post ein Foto von sich selbst - nichts besonderes, einfach nur sich selbst im Business Outfit. Ich gebe zu: ich wurde wegen des Fotos auf den Post aufmerksam, denn es ist kein Geheimnis, dass ein Foto mehr Aufmerksamkeit erregt, als ein nackter Text. Dieses Foto wurde ihr allerdings zum Verhängnis, denn es dauerte nicht lange, bis eine weibliche Kommentatorin sie fragte, ob sie es wirklich nötig hätte, ein Foto von sich beizufügen, dass sie sich damit ja automatisch als Frau in Szene setzen würde. Weiter hieß es, dass wir Frauen in der Business-Welt nicht ernst genommen werden würden, wenn wir uns weiterhin so verhalten würden, wie wir es tun.


Die Diskussion unter dem eigentlich doch sehr spannenden Ursprungsthema (Headhunter und die Verheimlichung des Unternehmens, für das sie suchen) verlagerte sich plötzlich zu einer astreinen Gender-Debatte. Zum Einen, ob man als Frau wirklich ständig auf anderen Frauen herum hacken müsse, zum Anderen, ob man diese Frage auch einem Mann gestellt hätte, der unter seinem Posting ein Foto verlinkt hätte. Zu einer wirklichen Einigung, was denn nun richtig und falsch sei, kam es nicht. Natürlich nicht, gerade bei so einem fragilen Thema scheiden sich die Geister. Während die eine sich von dem männlichen Wort "Reporter" bereits angegriffen fühlt und erwartet, dass dort mindestens "ReporterIn" steht, finden andere ein Foto schrecklich, da dies auf die weibliche Person hinter dem Posting aufmerksam macht - und eigentlich solle man das als Frau nicht nötig haben. So nur zwei der vielen Standpunkte, die ich an dieser Stelle völlig wertfrei aufzeige.


Denn das ist - meiner Meinung nach - der Kern der ganzen Debatte: Was wir Frauen müssen, sollten, könnten und würden hängt einzig und allein von uns selbst ab. Wenn ich einen Beitrag SEO-Maßnahmen veröffentliche, so ist es mein gutes Recht, diesen Beitrag ohne Bild, mit Bild im Business-Outfit oder mit Bild im Bikini zu versehen. Natürlich hat jede Form der Bebilderung eine gewisse Message und hinterlässt einen Eindruck. Doch das ist unabhängig vom Geschlecht der Fall. Es geht bei dieser Geschichte weniger darum, was man als Frau sollte oder was man nötig hat (oder eben nicht), sondern viel mehr darum, dass es Dritte deutlich weniger interessieren sollte, was man als Frau macht. In der Tat werden Männer deutlich seltener gefragt, warum sie etwas tun. Die schärfsten Kritiker von Frauen im Netz sind zudem Frauen - würden diese sich also etwas mehr in Unterstützung üben, statt in vermeintlich gut gemeinten Ratschlägen ("Das hast du doch gar nicht nötig!") zu versinken, würde die weibliche Rolle in Business-Aktivitäten eventuell etwas gestärkter auftreten. Doch solange wir als Frauen uns gegenseitig immer wieder hinterfragen, anprangern und öffentlich korrigieren, solange geben wir uns selbst nicht den Rückhalt, den sich die meisten von uns wünschen.

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